Tora-Oratorium – Die Poetik Gottes

Klangschale mit Flamme – Motiv des Oratorium-Plakats

Tora-Oratorium – Die Poetik Gottes

Jean Goldenbaums Tora-Oratorium „Die Poetik Gottes“ ist ein groß angelegtes Werk für Sinfonieorchester, vier Gesangssolistinnen und -solisten, Chor, Kinderchor, Solo-Harfe, Erzähler und Schofar. Es wird am 3. Oktober 2026 in der Lutherkirche Holzminden uraufgeführt und am 4. Oktober in der Göttinger St.-Jacobi-Kirche erneut präsentiert.

Termin: 3. Oktober 2026, 19:00 Uhr
Ort: Lutherkirche Holzminden, Kirchplatz, 37603 Holzminden
Tickets: reservix.de

Das Besondere des Oratoriums liegt in seiner Textgrundlage: Goldenbaum hat das Libretto selbst zusammengestellt und ausschließlich Worte aus der Tora verwendet. Damit greift das Werk auf zentrale Texte der jüdischen Tradition zurück, die zugleich einen grundlegenden Teil der christlichen Bibel bilden.

Goldenbaum verbindet in seiner Komposition biblische Überlieferung mit einer zeitgenössischen musikalischen Sprache. Zu den ausgewählten Stoffen gehören unter anderem Jakobs Traum von der Himmelsleiter und die Berufung des Mose am brennenden Dornbusch. Diese Erzählungen werden als existenzielle Fragen nach Gotteserfahrung, Berufung, Freiheit und menschlicher Verantwortung musikalisch gedeutet.

Eine besondere Klangfarbe erhält das Werk durch das Schofar. Sein archaischer Klang tritt in Beziehung zur modernen Orchester- und Chormusik. So entsteht eine Verbindung zwischen biblischer Überlieferung, jüdischer Klangtradition und Gegenwart.

Jean Goldenbaum ist ein deutsch-brasilianischer Komponist, Musikwissenschaftler und Autor. 1982 in São Paulo in eine jüdische Familie hineingeboren, kam er 2005 nach Deutschland. 2013 promovierte er an der Universität Augsburg in Musikwissenschaft. Als Musikwissenschaftler ist er mit dem Europäischen Zentrum für Jüdische Musik an der Hochschule für Musik, Theater und Medien Hannover verbunden. Dort beschäftigt er sich unter anderem mit der Geschichte synagogaler Musik in Deutschland und mit dem Verhältnis von Musik, jüdischer Identität und Erinnerungskultur.

Goldenbaums künstlerisches Schaffen umfasst mehr als 130 Kompositionen, die international aufgeführt wurden. Seine Musik verbindet zeitgenössische, häufig atonale Klangsprache mit Einflüssen jüdischer Liturgie, brasilianischer Traditionen und europäischer Kunstmusik. Dabei versteht er jüdische Musik nicht als eindeutig festgelegte Stilrichtung, sondern als vielfältiges kulturelles Feld, das religiöse, historische, sprachliche und persönliche Erfahrungen umfasst. Auch seine eigene Biografie – geprägt durch Brasilien, Deutschland und jüdische Familiengeschichte – fließt in seine Werke ein.

Mit diesem Oratorium ist etwas Neues in der Zusammenarbeit von engagierten Menschen der Kirchengemeinde, vor allem Pastorin Andrea Maiwald, mit Jean Goldenbaum entstanden. Es wurde angeregt durch das landeskirchliche Projekt „In Solidarität mit der jüdischen Gemeinschaft – Gemeinsam gegen Antisemitismus“. Neben einer Reihe anderer Sponsoren unterstützt auch BCJ dieses Projekt.

Plakat: Die Poetik Gottes – Ein Tora-Oratorium von Jean Goldenbaum

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