
Lesetipp: Stunden wie Tage
Shelly Kupferbergs Roman „Stunden wie Tage“ erzählt die Geschichte der Hausbesorgerin Martha E. und der jungen Widerstandskämpferin Liane Berkowitz im Berlin der 1920er bis 1940er Jahre.
Shelly Kupferberg: Stunden wie Tage. Diogenes Verlag, 272 Seiten, 25 Euro.
Die Handlung setzt 1925 ein: Die 20-jährige Martha tritt ihre Stelle als Hausbesorgerin in einem Schöneberger Mietshaus der jüdischen Brüder Henry und Ber Berkowitz an. Sie verwaltet Mieten, kümmert sich um Reparaturen und wird schnell zur vertrauten Ansprechpartnerin für die Mieter. Besonders eng ist ihre Beziehung zu Henrys Tochter Liane.
Der sich steigernde Antisemitismus der Nationalsozialisten bedroht das Leben von Henry Berkowitz. Um seine nicht-jüdische Frau zu schützen, lässt sich Henry von seiner Frau Katharina scheiden und flieht mit seinem Bruder nach London. Martha bleibt im Haus, hält sich von Politik fern und versucht, den Alltag zu bewahren. Liane hingegen entwickelt politischen Mut: Als Gymnasiastin verliebt sie sich, wird schwanger und kommt über ihren Freund Remus in Kontakt mit einer Widerstandsgruppe. Bei einer Klebezettel-Aktion wird sie verhaftet, zum Tode verurteilt und hingerichtet.
Der Roman fußt auf wahren Begebenheiten und verknüpft das Schicksal der fiktionalisierten Martha E. mit dem der historischen Liane Berkowitz, die 1943 im Alter von 19 Jahren von den Nationalsozialisten hingerichtet wurde. Er verbindet Recherche mit einfühlsamer Fiktion. Der Prolog beginnt mit dem Satz: „Alle kannten sie, doch keiner wusste, wer sie war.“
Shelly Kupferberg: Stunden wie Tage. Diogenes Verlag, 272 Seiten, 25 Euro.