
Im Jahr 2000 veröffentlichte der polnisch-amerikanische Historiker Jan Tomasz Gross das Buch „Nachbarn. Der Mord an den Juden von Jedwabne“. Es handelt von einem Pogrom, das polnische Dorfbewohner 1941 an ihren jüdischen Mitbürgern verübten.
Das Buch löste in Polen einen erbitterten Streit aus, der bis heute andauert: Auf der einen Seite steht die Forderung nach einer Aufarbeitung der Ereignisse, auf der anderen Seite der Wunsch nach Verdrängung und Leugnung. Die PiS-Regierung weigerte sich, eine Mitschuld anzuerkennen.
Wissenschaftler und Historiker, die das Schweigen brechen wollten, wurden oft angefeindet. Sie kommen in dieser Dokumentation zu Wort, damit die Aufarbeitung für die nachfolgenden Generationen beginnen kann.
Die Stärke der Dokumentation liegt in ihrer Multiperspektivität. Zeitzeugenberichte, Stimmen von Historikerinnen und Historikern sowie Einblicke in politische Diskurse ergänzen sich zu einem vielstimmigen Gesamtbild. Besonders eindrücklich sind jene Passagen, in denen individuelle Erinnerungen und biografische Brüche zur Sprache kommen.
Historische Aufnahmen, Archivmaterial und gegenwärtige Impressionen werden miteinander montiert, sodass ein dialogisches Verhältnis zwischen Vergangenheit und Gegenwart entsteht.
Der Film der Regisseurin Joanna Grudzinska entstand 2024 und ist in der arte Mediathek zu sehen.
Geschichte der Juden in Polen: Das Ringen um Wahrheit – Die ganze Doku | ARTE