
Claude Lanzmann (*27. November 1925 in Bois-Colombes; † 5. Juli 2018 in Paris)
Ich hatte nur das Nichts – „Shoah“ von Claude Lanzmann
Die Dokumentation konzentriert sich auf die gut zwölfjährige Entstehungszeit des Films Shoah: Recherchen in Europa, Israel und den USA, Hunderte von Vorgesprächen, abgebrochene Spuren, aber auch unerwartete Begegnungen und Zufälle. Grundlage sind bislang unveröffentlichte, rund 220 Stunden Rohmaterial zu Shoah, sowie Passagen aus Lanzmanns Autobiografie Der patagonische Hase, die als Off‑Stimme seine eigenen Zweifel, Umwege und Obsessionen kommentieren.
Die Dokumentation zeigt Claude Lanzmann als Regisseur, der bereit ist, große Risiken einzugehen, um Täter zum Sprechen zu bringen – etwa mit versteckter Kamera und unter Vorspiegelung falscher Tatsachen. Die Dokumentation zeigt seine reflektierte Methode: keine Archivbilder, keine Musik, keine erklärende Kommentarstimme – nur die Stimmen der Überlebenden, Zeugen und Täter, und die Orte, an denen heute scheinbar „nichts“ mehr zu sehen ist. Dieses „Nichts“, auf das auch der Titel der Dokumentation anspielt, bezeichnet die Unsichtbarkeit der Gaskammern im Bild und markiert zugleich die Leerstelle, um die Lanzmann mit seiner Arbeit kreist. Diese sehr sehenswerte Dokumentation findet sich in der arte Mediathek, wo auch die Dokumentation Shoah selbst zu sehen ist.