
Referentin: Francoise Will-Mueller
Termin: 27. April, 19:00 Uhr
Ort: Zoom
Bulgarien-von Kyrill und Method bis zum EU-Eintritt
Bulgarien ist ein kleines Land mit einer überraschend großen Geschichte, in dem sich seit Jahrtausenden Reiche, Religionen und Kulturen überlagern. Schon lange bevor es „Bulgarien“ hieß, lebten hier die Thraker – ein Volk, das geheimnisvolle Grabhügel, Goldschätze und Mythen hinterließ, von denen wir bis heute nur Bruchstücke verstehen. Später rückten Römer und Byzantiner nach, Straßen, Festungen und Städte veränderten das Gesicht des Landes – doch sie waren nur die Vorläufer eines eigenen Reiches.
Im 7. Jahrhundert treffen slawische Stämme und reiternomadische Protobulgaren aufeinander und schmieden ein neues Gemeinwesen, das Byzanz bald ernst nehmen muss. Das Erste Bulgarische Reich wächst zur Macht auf, Christianisierung und kyrillische Schrift machen das Land zu einem leuchtenden Zentrum slawischer Kultur. Mönche schreiben, Herrscher rivalisieren mit Konstantinopel – und lange wirkt Bulgarien eher wie ein Gegen‑Byzanz als eine Randprovinz. Dann folgen Eroberung, Aufstände, ein Zweites Reich, schließlich die lange osmanische Zeit: Jahrhunderte, in denen sich bulgarische Identität im Schatten eines Imperiums neu formt. Im 19. Jahrhundert explodiert eine nationale Wiedergeburt, Dichter und Revolutionäre bereiten den Weg zur Unabhängigkeit. Die Wirren der Weltkriege, Jahrzehnte Sozialismus und der abrupte Sprung in Demokratie und EU-Mitgliedschaft haben Bulgarien tief geprägt. Wer verstehen will, warum dieses Land heute so widersprüchlich und faszinierend wirkt, muss seine verschlungenen historischen Pfade weiterverfolgen.