
Peter Schäfer: Judaistik im Geist der Philologie
Wallsteinverlag, 2026.
Judaistik im Geist der Philologie
Schäfer blickt auf seinen wissenschaftlichen Werdegang zurück und verknüpft biografische Stationen – Studienjahre, akademische Lehrer, institutionelle Kämpfe, Forschungsprojekte – mit grundsätzlichen Überlegungen zur Ausrichtung der Judaistik. Die leitende Perspektive ist dabei die Philologie. Schäfer schildert, wie sehr sein Denken von der genauen Arbeit am Text, von sprachlicher Präzision und historischer Kontextualisierung geprägt wurde und warum er diese Arbeitsweise als unverzichtbares Fundament der Judaistik ansieht.
Besonders eindrücklich ist, wie Schäfer seine persönlichen Erfahrungen mit den größeren Entwicklungen des Fachs verschränkt. Er erinnert an die Abgrenzung der Judaistik von christlich-theologischen Deutungsrahmen ebenso wie an innerdisziplinäre Kontroversen, etwa um die Interpretation rabbinischer Literatur oder der jüdischen Mystik.
Der autobiografische Charakter des Buches zeigt sich auch in der Darstellung zentraler Forschungsfelder Schäfers, insbesondere der rabbinischen Literatur und der Kabbala. Dabei geht es weniger um neue Thesen als um die Rekonstruktion von Denkwegen: Warum bestimmte Fragen gestellt wurden, welche Alternativen verworfen wurden und wie sich wissenschaftliche Überzeugungen im Dialog mit Quellen und Kolleginnen und Kollegen herausgebildet haben. Gerade hierin liegt der besondere Wert des Bandes: Er macht wissenschaftliche Arbeit als historischen, persönlichen und konflikthaften Prozess sichtbar.
Zugleich ist Judaistik im Geist der Philologie ein leidenschaftliches Plädoyer für die Eigenständigkeit des Faches. Schäfer warnt davor, die Judaistik entweder in allgemeiner Religionswissenschaft aufgehen zu lassen oder sie politischen und kulturellen Erwartungshaltungen zu unterwerfen. Seine Erinnerungen sind durchzogen von der Sorge, dass philologische Kompetenz zugunsten modischer Theorien oder identitätspolitischer Verkürzungen an Bedeutung verlieren könnte.
Insgesamt ist Judaistik im Geist der Philologie ein ebenso persönliches wie programmatisches Buch. Es bietet keine abgeschlossene Theorie, sondern eine reflektierte Lebensbilanz, die zeigt, wie eng wissenschaftliche Methode, biografische Erfahrung und institutionelle Geschichte miteinander verflochten sind.